Ampel auf rot, gelb oder grün - Wie realistisch ist eine Bürgerversicherung nach der Wahl?
SPD, Linkspartei und Grüne wollen und thematisieren sie seit langem – eine Reform der bestehenden Gesetzlichen Krankenversicherung mit dem Ergebnis einer einheitlichen Krankenversicherung für bislang private und gesetzlich Versicherte - genannt Bürgerversicherung. Mit dem Projekt lassen sich im Regierungsfall durchaus große Bevölkerungsmehrheiten hinter sich vereinen. Nach einer Erhebung von Infratest wünschen sich mehr als zwei Drittel aller Bundesbürger diesen Schritt.
Abschaffung der PKV?
Freilich würde die FDP als Koalitionspartner in einer Ampel niemals einer Abschaffung der PKV zustimmen, aber davon ist im Grünen Wahlprogramm auch nicht mehr die Rede. Das Reformupdate der GRÜNEN sieht vor, die Privatversicherten in eine „solidarische Finanzierung einbeziehen.“ Wie die Grüne Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink erläutert, sollen PKV-Kunden nach den Vorstellungen ihrer Partei künftig auch einen einkommensabhängigen Beitrag an den Gesundheitsfonds abführen. Im Gegenzug sollen sie dann aus dem Fonds einen Zuschuss zu den Kosten ihrer weiterhin bestehenden PKV erhalten. Die Höhe dieses Betrags soll genau dem entsprechen, was eine gesetzliche Krankenkasse für einen vergleichbaren Versicherten aus dem Fonds bekommen würde.
Kompliziert wird das Projekt seit eh und je durch die schwer lösbare Frage nach dem Umgang mit den Alterungsrückstellungen der PKV in einem Bürgerversicherungsmodell. Dabei handelt es sich um langfristig am Kapitalmarkt angelegte Beitragsanteile, die den PKV-Beitrag im Alter kalkulatorisch möglichst stabil halten sollen. Nicht nur bei einer Bürgerversicherung, auch bei einem politisch von allen Ampelparteien gewollten erleichterten Systemwechsel zwischen PKV und GKV stellen die Alterungsrückstellungen den kompliziertesten Brocken dar.
Christan Lindner (FDP)(c) Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Auch ohne Bürgerversicherung bleibt hoher Reformdruck
Egal welche Koalition ab Herbst 2021 regieren wird in Deutschland, sie wird um eine deutliche Gesundheitsreform nicht herumkommen. Denn im Zuge der Corona-Krise haben sich gigantische Finanzierungslücken aufgetan, die man kaum den Versicherten aufbürden kann. Und es gibt viele weitere Felder mit dringendem Handlungsbedarf: die Krankenhausfinanzierung, der Pflegenotstand oder die Arztdichte auf dem Land.
Das könnte Sie auch interessieren: